Warum ich das mache…
Schön, dass Du den Weg zu meinem Blog gefunden hast. Höchstwahrscheinlich bist Du hier gelandet, weil Du in irgendeiner Weise mit dem Thema „Transidentität bei Kindern und Jugendlichen“ in Verbindung gekommen bist. Vielleicht bist Du ein Elternteil, bei dem sich das Kind frisch geoutet hat. Oder Du ahnst schon seit einer Weile, dass Dein Kind sich möglicherweise nicht als Junge oder Mädchen fühlt, weil Du Veränderungen im Verhalten bemerkt hast. Vielleicht begleitest Du Dein Kind auch schon einige Zeit auf seinem Transitionsprozess und bist ohnehin im Thema drin. Oder bist Du eine Fachkraft, die in ihrer Arbeit mit einem trans* Kind oder Jugendlichen zu tun hat?
So unterschiedlich Dein Hintergrund und Deine Motivation ist, die Dich hierhergebracht hat: Ich freue mich, dass Du Interesse an dem Thema hast und damit für neue oder andere Sichtweisen bereit bist.
In diesem Blogartikel erzähle ich, wie es dazu kam, dass ich mich für das Thema „Transidentität in der Familie“ stark mache und warum der Blog entstanden ist. Ich gebe Dir einen Einblick in einen Teil meiner Familiengeschichte, der mich und meine Lieben tiefgreifend verändert und geformt hat.
Irrtümer und Wahrheiten
Ich durfte drei Kinder zur Welt bringen. Zwei Jungen und als drittes Überraschungskind ein Mädchen. Als dreifache Mutter bin ich mit und durch meine Kinder mit vielen Erfahrungen beschenkt worden – angenehme und unangenehme, auch schmerzhafte. Dass ich mich nach 12 Jahren von der Vorstellung verabschieden musste, neben zwei Söhnen auch eine Tochter zu haben, fiel mir nicht leicht. Und auch jetzt noch taucht immer wieder mal ein Wehmutsgefühl auf...
Wahrscheinlich kennen einige Elternteile (vielleicht eher diejenigen, die eine mütterliche Rolle einnehmen) die Vorstellung, mit ihrer erwachsenen Tochter irgendwann einmal gemeinsam shoppen zu gehen, sich über Beziehungsthemen oder Einrichtungsfragen zu unterhalten und sie vielleicht auch bei ihrer Schwangerschaft zu begleiten... eine Verbindung, die von einer Mutter-Tochter-Beziehung zu einer Art schwesterlichen Freundschaft führt. Zugegeben, das sind recht traditionelle Rollenbilder sind, die ich hier male.
Nun, ich habe keine Tochter. Es war ein Irrtum, der womöglich nicht mal ein richtiger Irrtum war. Mein drittes Kind wurde nach der Geburt dem weiblichen Geschlecht zugeordnet. Nach dem einzigen Kriterium, das schon immer bei allen Neugeborenen angewendet wird: dem Blick auf die sichtbaren Genitalien. 12 Jahre lebten wir alle in dem Glauben, unser drittes Kind sei ein Mädchen. Es gab auch keine Anzeichen dafür, dass dem nicht so sein könnte. Zumindest für uns Eltern und Außenstehende.
Dass mein Kind schon lange vor seinem Outing Zweifel an seinem zugewiesenen Geschlecht hatte, war für mich nicht erkennbar. Und es war schlichtweg auch nicht vorstellbar. Ich wusste bis dahin noch nicht einmal den Unterschied zwischen sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität. Außer dass es homo- oder bisexuelle Menschen gibt, war das Thema weder in meinem Alltag noch bis dahin in den üblichen Medien wie TV, Radio, Zeitung für mich wahrnehmbar. Eine Auseinandersetzung mit diesem Thema war für mich nicht vorhanden – war sie überhaupt nötig?
Nun, eine Notwendigkeit zeigt sich oftmals erst im Eintreten von Ereignissen in unserem Leben. Und wie es mit Veränderungen nun mal so ist: nicht alle davon erfreuen und begeistern uns. Wir versuchen einen Umgang damit zu finden und jede*r von uns entwickelt dabei eine ganz eigene Strategie. Das kann von Abschwächen, Umdeuten, Ignorieren bis hin zum Bekämpfen gehen. Viele diese Varianten habe ich ausprobiert - und damit die Erfahrung gemacht, dass keine davon wirklich dauerhaft hilft. Sie erzeugen Leid und Schmerz – bei meinem Kind, bei mir, bei den Familienmitgliedern und den Menschen, die mit uns umgehen.
Fragen über Fragen
Wenn das eigene Kind sich geschlechtlich anders definiert, als wir es jahrelang für richtig und logisch gehalten haben, kann sich das zunächst wie ein Irrtum anfühlen, wie eine Lüge, wie ein schlechter Scherz, vielleicht auch wie ein Theaterspiel, bei dem wir unfreiwillig eine Rolle übergestülpt bekommen haben.
Ich hatte so viele Fragen und brauchte Orientierung. Einige Fragen tauchten am Anfang immer wieder in meinem Kopf auf:
Was ist bloß los mit meinem Kind?
Geht das wieder weg?
Warum ist das so?
Was habe ich übersehen oder falsch?
Ich habe viel im Internet gelesen, in Foren und auf verschiedensten Seiten, die aufklären sollten – und deren Menge mich letztlich doch verwirrte. Viele der Informationen waren widersprüchlich und zum Teil veraltet und falsch.
Der Besuch einer Peer-Beratungsstelle brachte zunächst eine erste Hilfe für mein Kind, wie es mit seiner Suche nach seinem „wirklichen Ich“ zurechtkommen könne. Mein Kind fühlte sich von der beratenden Person wirklich gesehen und der Besuch tat ihm gut.
Aber ich vermisste eine Person, die MIR hilft, wie ich meinem Kind helfen kann. Fragen wie:
Welche Wege kann ich für mein Kind ebnen?
Wieviel Aktionismus von mir ist gut – wo dränge ich vielleicht versehentlich mein Kind in eine Richtung, so dass es sich verrennt?
Und wie zum Kuckuck sollte ich diese ganze Kommunikation mit meinem Kind und der Schule und unserem privaten Umfeld hinbekommen?
Mit weiteren Outings meines Kindes in der Schule und der Familie tauchten noch ganz andere Fragen auf:
Wie gehe ich mit den psychischen Problemen meines Kindes um? Mein Kind litt, wie viele trans* Menschen auch, unter Depressionen, selbstverletzenden Verhalten und Suizidgedanken...
Was kann ich tun, wenn mein Kind in der Schule gemobbt wird?
Wie kommuniziere ich mit Ärzten, Behörden etc. mit denen mein Kind in Kontakt kommt?
Kann ich moralisch verantworten, dass in den gesunden Körper meines Kindes eingegriffen werden soll?
Was ist, wenn ich eine falsche Entscheidung treffe?
Wie gehe ich mit den „gut gemeinten“ Ratschlägen von nicht Betroffenen um?
....
Ich habe mir in dieser Zeit eine Ansprechperson gewünscht, die nachfühlen kann, was ich durchmache, die meine Sorgen versteht und mir hilfreiche Tipps gibt. Bei der ich Zuversicht und meine Sicherheit, das richtige zu tun, wiederfinde.
Wo waren die Antworten?
Das Outing meines Sohnes fiel genau in die Zeit der Corona-Pandemie, so dass keine Treffen von Selbsthilfegruppen stattfanden, wo ich mich hätte austauschen konnte. Also hieß es, Informationen online sammeln, selektieren und sortieren. Und eigene Erfahrungen machen...
Mir genügte das jedoch nicht. Ich vertiefte mich immer mehr in das Thema und wollte handfest Informationen mit fachlichem Hintergrund haben. Also habe ich eine Ausbildung zur Trans-Beraterin beim dgti e.V. (Deutsche Gesellschaft für Trans* identität und Intergeschlechtlichkeit e.V.) begonnen und nach einem Jahr abgeschlossen.
Dort durfte ich viele wundervolle Menschen kennenlernen, die den herausfordernden Weg der Transition gegangen sind oder noch gehen. Deren Perspektiven und Erfahrungen haben mir unschätzbare Erkenntnisse geschenkt. Für alle diese Menschen habe ich große Hochachtung vor ihrer Stärke, ihren Weg zu gehen und sich trotz schmerzhafter Rückschläge nicht beirren zu lassen. Ihnen gebührt mein Dank für das Vertrauen, das sie mir mit dem Teilen ihrer persönlichen Geschichte entgegengebracht haben.
Ich habe mich im Forum von trakine e.V. belesen und von den Erfahrungen anderer Eltern gelernt. Und wie so oft gibt uns das Leben selbst die Antworten. Meinem Kind zuzuhören und vor allem meine eigenen Werte und Definitionen auf den Prüfstand zu stellen, hat mir vielleicht nicht sofort, aber mit der Zeit viele Antworten gegeben.
Mir eröffneten sich so viele neue Sichtweisen, von denen ich in meinem Blog erzählen möchte.
Meine Learnings
Ich gehe den Weg mit meinem Kind jetzt seit mehr als drei Jahren. Für sein jetziges Alter von 15 Jahren ist mein Sohn schon sehr viel weiter auf seinem Transitionsweg als viele andere in dem Alter. Viele Steine, die ihm im Weg lagen, hat er überwunden. Ich habe gelernt, welche konkrete Unterstützung meinem trans* Kind wirklich geholfen hat und wo ich zwar in bester Absicht, aber letztlich durch mein Handeln nicht geholfen oder Dinge verschlimmert habe. Ich durfte – manchmal sehr mühsam – lernen, was wirklich wertschätzende Kommunikation ist, wo ich negativ manipulativ kommuniziere und was mein Kind wirklich gestärkt hat.
Dieser schwere Weg hat uns einander sehr nahegebracht und wir haben mittlerweile ein unerschütterliches Vertrauen zueinander.
Meine Mission: Unterstützen, Aufklären, Beraten
Meine Mission ist, Familien in den verschiedenen Phasen zu unterstützen, die ein Transitionsprozess eines trans* Kindes oder Jugendlichen durchläuft. Ich gebe aus Überzeugung und mit viel Empathie mein Wissen und meine Erfahrungen an andere Eltern und Familien weiter. Mit meinen Erfahrungen und meinem Wissen als systemische Coach und Transberaterin ermögliche ich Eltern einen anderen - einen neuen Zugang zum Thema „Trans-Sein“ ihres Kindes.
Dadurch wächst das gegenseitige Verständnis und die Beziehung zwischen Eltern und Kind festigt sich (wieder). Eltern geben ihrem Kind das Gefühl:
Du bist richtig, so wie Du bist und ich liebe Dich,
WEIL Du so bist, wie Du bist.
Auch Ängste und Zweifel der Eltern brauchen ihren Raum und dürfen sein. Es ist wichtig, dort mit guter Begleitung genauer hinzuschauen und zu reflektieren, woher diese kommen. Sie dürfen uns als verantwortungsbewusste Eltern aber nicht dauerhaft lähmen und die Beziehung zum Kind nicht belasten. Ich habe viele Erfahrungen gesammelt, unschöne, schmerzhafte, aber auch wundervolle. Ich bin dankbar für den Weg, den ich mit meinem Sohn, den ich 12 Jahre für eine Tochter hielt, bisher gegangen bin und weiter gehen darf.
Von all dem erzähle ich in meinem Blog und hoffe, dass sich Eltern durch das Lesen meiner Erfahrungen gesehen fühlen und praktikable Tipps und wertvolles Wissen mitnehmen. Ich freue mich, wenn Du neugierig bist und meinen Newsletter abonnierst, um keinen Blogbeitrag zu verpassen.
Der Blog ist auch interessant für pädagogische Fachkräfte, die eine junge trans* Person begleiten, unterrichten und/oder betreuen. Ihr bekommt hier Einblicke, was in den Kindern und in den Familien vorgehen kann, die sich mit dem Thema „geschlechtliche Identität“ ihres Kindes auseinandersetzen müssen. Dadurch könnt Ihr besser auf die Bedürfnisse der jungen Menschen z.B. im schulischen Umfeld und im Kontakt mit den Eltern eingehen.
Zusätzlich ist es mir ein tief empfundenes Anliegen, auch diejenigen Menschen aufzuklären, die keine trans* Person in ihrem Umfeld haben. Gerade denen fehlt häufig die objektive Auseinandersetzung mit dem Thema. Die Gefahr ist dabei, dass populistische transfeindliche Meinungen, die lautstark verkündet werden und Ängste schüren, oftmals unreflektiert übernommen werden. Ich möchte aufklären – undogmatisch und pragmatisch, verständlich und empathisch.
Meine Vision: Trans*formation gemeinsam leben
Ich wünsche mir eine Welt, in der jeder Mensch von klein auf seinen Platz selbstbestimmt findet und Akzeptanz erfährt. Kinder und Jugendlichen sollen sich frei entwickeln können und ohne dogmatische Konzepte zu glücklichen und verantwortungsvollen Menschen heranwachsen. Ich wünsche mir Eltern, die ihren Kindern offen zuhören, ihnen vertrauen und sie ihren Weg finden lassen. Wir sind alle Lernende bis an unser Lebensende.
Wir sind immer in der Lage, unsere Sichtweise zu überprüfen und neu auszurichten. Ich möchte Eltern Mut machen, ihren Kindern Gehör zu schenken und ihre Seele zu sehen. Sie verdienen es, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, worin wir sie begleiten dürfen, ohne ihnen unsere Vorstellungen aufzudrücken.
Schreib mir gern, welches Thema oder welche Frage Dich bewegt. Dann gehe ich in einem der nächsten Blogbeiträge darauf ein. Wenn Du Unterstützung brauchst, dann melde Dich zu einem kostenfreien Erstgespräch bei mir. Dann klären wir, womit ich Dir am meisten helfen kann.
Ich danke Dir dafür, dass Du Dir die Zeit zum Lesen genommen hast und freue mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst.
Bunte Grüße